DSLR-Einstieg: Welche Kamera?

altbekanntes Marken-Bashing

Immer wieder liest und hört man die gleichen Diskussionen:

Ein Fotografie-Interessierter fragt in einer Gruppe von Hobby-Fotografen, was er sich für den Einstieg in die Fotografie am besten kaufen soll und der Marken-Kampf geht los… Nikon-Jünger machen Canon schlecht, Canon-Nutzer loben ihre Marke und schwören auf die L-Objektive mit rotem Ring, die man uuunbedingt benötigt.

Und alles, was nicht Canon oder Nikon ist, wird von beiden Seiten verhöhnt… zu Unrecht, wie ich finde…

Entscheidungshilfe

Wenn du mit dem Fotografieren anfängst, solltest du dir durchaus Gedanken über die Marke machen, mit der du anfängst. Denn wenn du erst einmal ein paar Objektive hast, wirst du dich später nicht so ohne Weiteres für einen System-Wechsel entscheiden…

Ein mögliches Kriterium wäre, ob du Freunde hast, die ebenfalls fotografieren und mit denen du dich auch mal austauschen könntest – Zubehör wie Blitz oder Objektive ausleihen, die du dir am Anfang vielleicht noch nicht leisten kannst/willst, usw…

Ein weiteres wichtiges Kriterium wäre z.B., wie hoch dein Budget insgesamt überhaupt ist…

Denn Nikon und Canon, die im höherpreisigen Bereich auf jeden Fall richtig gute Kameras und Objektive zu bieten haben, können bei einem Budget von 500-600 Euro durchaus die falsche Entscheidung sein… hier bieten z.B. Sony oder Pentax für den gleichen Preis oftmals wesentlich mehr…

Zudem stellt sich die Frage, wie viel man für zusätzliche Objektive ausgeben kann/muss/möchte.
Eng damit verbunden ist die Frage, welche Features durch den Kamera-Body und welche durch die Objektive abgedeckt werden sollten.

Ein praktisches Beispiel:

Als ich damals eben genanntes Budget in die Hand nehmen wollte, um mir eine Kamera-Ausrüstung zuzulegen, war Freundeskreis-bedingt die Wahl zwischen Sony und Nikon…

Die damaligen Einsteiger-Modelle, die zur Auswahl standen und preislich ähnlich waren, waren die Sony A-35 und die Nikon D3100…

Einsatz-Gebiete, die von vorn herein wichtig sind

Manche Einsteiger haben vor dem Kauf noch keine speziellen Vorstellungen, was die Kamera können soll – andere haben schon Einsatzgebiete im Kopf:

dem einen sind Portraits wichtig, dem anderen Landschaften, dem nächsten vielleicht Macro-Fotografie, Langzeitbelichtungen, Available-Light-Fotografie (rausch-arm in hohen ISO-Bereichen)…
all das sollte man beim Zusammenstellen des Kamera-Setups berücksichtigen:

Was ich vorher – selbst mit dem Handy – schon gerne gemacht habe, waren HDR-Bilder…
3 Bilder hintereinander mit unterschiedlicher Belichtung aufgenommen (einmal korrekt aufgenommen, einmal ein wenig unterbelichtet, einmal ein wenig überbelichtet) und am Rechner mit „qtpfsgui“ (heißt mittlerweile „Luminance HDR“) zu einem Bild zusammengefügt…

Wenn ich in professionellere Technik investiere, erwarte ich zumindestens, dass solch eine Grundfunktionalität gegeben ist: eine simple Belichtungsreihe – auf dass ich nicht 2 mal die Belichtung manuell korrigieren muss, wodurch ich die Kamera wieder versehentlich in der Position verändern könnte usw.

Für andere Leute vielleicht kein Ausschluss-Kriterium, aber mir war es wichtig…
und schon in diesem Punkt hat Nikon’s Einsteigermodell mich leider enttäuscht.

Features im Body vs. Features im Objektiv

Eine nächste Entscheidungsgrundlage wären Features wie Bildstabilisator und Auto-Fokus:

Sony (und soweit ich weiß auch Pentax) hat einen Auto-Fokus-Motor im Kamera-Body integriert sowie eine integrierte Bild-Stabilisierung (bei Sony unter dem Namen „Steady Shot“, bei Pentax unter „Shake Reduction“).

Schauen wir uns diese beiden Features mal genauer an:

Bild-Stabilisator im Body

Der Vorteil: selbst günstige Objektive ohne eigenen Bildstabilisator werden mit der Kamera stabilisiert.

Der Nachteil: es ist zwar jedes Bild von jeder Linse stabilisiert, aber nie die Vorschau im Sucher…

AF-Motor im Body

Der Vorteil: man kann (am Beispiel Sony) selbst die guten alten Minolta-AF-Linsen ohne eigenen Motor nehmen, welche optisch noch immer eine gute Leistung bringen und günstig auf eBay und co. zu erwerben sind und muss dabei nicht auf den Auto-Fokus verzichten.
Auch bei Pentax gibt es günstige alte Linsen auf Online-Auktions-Plattformen oder Flohmärkten

Der Nachteil: der Autofokus-Motor im Body ist meist nicht so schnell und so leise wie es die Motoren in aktuellen Objektiven sind.
Wenn einem super-schnelle und -leise Autofokus-Motoren wichtig sind, muss man sowieso die teureren Objektive mit integriertem AF-Motor kaufen und hat somit ungenutzte Technik in der Kamera, die man nicht braucht…

Zusammenfassung

Wer professionellere Ansprüche hat und sich nicht mit „Basics“ zufrieden gibt, wird diese Features eh in höchster Qualität im Objektiv haben wollen und somit stellt sich für diese Zielgruppe die Frage gar nicht… wer aber möglichst viel aus möglichst wenig Geld herausholen möchte, sollte diese Punkte in seine Entscheidung mit einfließen lassen…

Sucher

Ein Punkt, den ich – speziell auch für Sony – hier anbringen möchte: der Sucher.
Im Gegensatz zu den meisten Kamera-Herstellern, die noch auf richtige Klapp-Spiegel und Prismensucher setzen, verwendet z.B. Sony eine halbdurchlässige Spiegelfolie und ein elektronisches Sucherbild…
Dieser elektronische Sucher ist durchaus gewöhnungsbedürftig und nicht jedermanns Sache…
Ich persönlich finde es super, z.B. beim manuellen Fokusieren auch im Sucher eine Bild-Vergrößerung nutzen zu können… aber der Blick durch den optischen Sucher meiner analogen Minolta-Kamera ist durchaus irgendwie direkter und ich kann Leute verstehen, die sich mit dem elektronischen Sucher schwer tun…

Daher: geht in die Läden, probiert Kameras verschiedener Hersteller aus und achtet auch auf solche Dinge…

Haptik und Menüführung

Die beste Kamera bringt einem nichts, wenn man sie nicht vernünftig bedienen kann…
Liegt die Kamera gut in der Hand?
Komme ich an alle Knöpfe problemlos ran?
Ist die Menü-Führung intuitiv genug?
Finde ich alle mir wichtigen Features mit Knöpfen oder nur wenigen Klicks durch’s Menü?

All diese Fragen sollte man sich vor dem Kauf stellen…

Ausprobieren geht über seiten-lange Marken-Krieg-Diskussionen studieren

Wenn eure Freunde ein Kamera-Modell haben, welches man auch selbst in der engeren Auswahl hat: probiert es live aus!
Ansonsten: geht in Fachgeschäfte, fragt nach, ob besagte oder vergleichbare Geräte oder im Laden verfügbar sind, probiert sie dort vor Ort aus!

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